Kurze Geschichte des Fernsehens

Wohl kaum eine Erfindung hat die Alltagskultur der Menschheit so tiefgreifend verändert wie das Fernsehen. Obwohl seine Anfänge gerade einmal fünfzig Jahre zurück liegen, bestimmt das Medium unser Leben heutzutage in fast allen Bereichen. Ob Information, Kultur, Sport, Wissenserweiterung oder Unterhaltung, das Fernsehen ist für die meisten Zeitgenossen ein Bestandteil des Lebens geworden.

Durch die Weiterentwicklung der Übertragungstechnik im Kabel-, Satteliten- und Digitalfernsehen hat das Entwicklungstempo in den letzten Jahren noch einmal rasant zugenommen. Hier ein kleiner Überblick.

1927 - Der arme Erfinder des Fernsehens

Dem Amerikaner Philo Farnsworth aus Idaho gelingt 1927 die erste elektronische Übertragung eines Bildes. Doch Patent- und Lizenzstreitigkeiten mit anderen Erfindern und mit der amerikanischen Rundfunkanstalt RCA verhindern, dass er einen finanziellen Erfolg aus seiner bahnbrechenden Erfindung schlagen kann. Mit seiner technischen Idee verbindet er große humanistische Ideale. Er sieht vor allem die pädagogischen Möglichkeiten des Fernsehens: Es soll im Kampf gegen das Analphabetentum eingesetzt werden und der internationalen Völkerverständigung dienen. Als er sieht, auf welche Weise das Fernsehen bereits in den ersten Jahren genutzt wird, verbietet der Erfinder seinen eigenen Kindern, Fernsehsendungen auf ihren „intellektuellen Speiseplan“ zu setzen. Obwohl Farnsworth nach dem Fernseher noch 165 andere Geräte erfindet, stirbt er im Jahre 1971 verarmt und alkoholabhängig.
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1951 - Die Verbreitung des Flimmerkastens

Anfänglich entwickelt sich die Verbreitung des Fernsehens langsam. Das bestimmende Funkmedium ist 1951 noch immer das Radio. Doch empfangen in den USA bereits einige Millionen Menschen ein Bildfunkprogramm, das täglich zwei Stunden auf Sendung ist. Ihr Empfangsgerät wird jedoch als „Flimmerkasten“ bespöttelt.

1952 - Erste Fernsehausstrahlungen in Deutschland

In der BRD haben sich 300 Personen ein Fernsehgerät gekauft. Für diese wird nun das erste Fernsehprogramm der BRD gesendet. Die älteste Sendung ist die Tagesschau, die seit dem Beginn des Deutschen Fernsehens ausgestrahlt wird. In der DDR beginnt die Ausstrahlung eines Fernsehprogramms im selben Jahr, anlässlich des 73. Geburtstages von Josef Stalin. „Die aktuelle Kamera“ wird bis zum Ende der DDR zum täglichen Nachrichtenmagazin.

1953 - 57 - Kaufrausch zur Fußballweltmeisterschaft

Die Übertragung aktueller Ereignisse ist für die Deutschen das ausschlaggebende Motiv für einen Fernsehkauf. So stieg der Absatz schubweise im Juni 1953 vor den Krönungsfeierlichkeiten von Königin Elisabeth. Die nächste spektakuläre Verkaufswelle gab es 1954 vor der Fußballweltmeisterschaft in Bern. 1957 überschritt die Zahl der angemeldeten TV-Geräte erstmals eine Million. Doch noch war der Fernseher noch immer ein Prestige Objekt.

1959-60 - Entwicklung zum Massenmedium

Das Fernsehen entwickelt sich in rasanter Geschwindigkeit zum Massenmedium. Allein in Deutschland werden täglich 5.000 Fernseher verkauft. Jeder muss es haben. 1960 gibt es bereits vier Millionen deutsche Fernsehzuschauer. Weltweit steigt die Zahl der Fernsehbesitzer im Jahr 1961 auf 100 Millionen.

1961 - 1965 - Entstehung der deutschen Fernsehstruktur

Anfänglich versucht Konrad Adenauer, das Fernsehen als politisches Massenkommunikationsmittel zu etablieren. Doch diese Versuche scheitern vorm Bundesgerichtshof. Die Freiheit der Fernsehanstalten wird deklariert. 1963 wird das ZDF gegründet, um der ARD eine Art Regulativ entgegen zu setzen. Im Anschluss werden von der ARD die fünf Landesanstalten eingerichtet. Das Fernsehen löst damit auch Schritt für Schritt den Hörfunk als bedeutendstes Medium ab. Zu den ersten regelmäßigen Sendungen gehört die „Sportschau“ und etwas später die Unterhaltungssendungen „Zum Blauen Bock“ und „Bonsoir Catherine“. Bereits in dieser Zeit wurde auch die erste Quizz-Show etabliert: „Vergissmeinnicht“ mit dem Moderator Peter Frankenfeld.

1967 - Farbfernsehen

Die ersten Fernsehausstrahlungen in Farbe gelingen in den USA bereits 1947, allerdings noch in sehr schlechter Qualität. 1967 ist die Technik soweit. In Europa werden die ersten Farbfernsehprogramme in England und Deutschland ausgestrahlt. Den Massendurchbruch schafft das Farbfernsehen in Deutschland wieder mit einer Fußballweltmeisterschaft. 1974, vor der WM in Argentinien, steigt der Absatz von Farbfernsehern rapide an.

1967 bis 1984 – Die Fernsehsendungen etablieren sich

Nachdem das Fernsehen nun in so gut wie jedem deutschen Haushalt Einzug gehalten hat, etablieren sich die regelmäßigen Fernsehsendungen und bestimmen bis Mitte der Achtziger Jahre in relativ stabiler Form den nationalen Fernsehalltag. Obwohl moderierte Kultursendungen noch lange dem Radio überlassen wurden, wird in Deutschland 1967 mit „Titel, Thesen, Temperamente“ die erste Kultursendung im Fernsehen ausgestrahlt. 1969 erblickt die „ZDF-Hitparade“ das Licht des deutschen Fernsehens. 1971 folgte auf dem ZDF „Disco mit Ilja Richter“. Im selben Jahr wird erstmals die „Sendung mit der Maus“ ausgestrahlt. 1973 gab es zum ersten Mal die „Sesamstraße“ für die deutschen Kinder und ihre Eltern.

Der legendäre Quizz-Master Hans Rosenthal beginnt 1971 mit seiner Erfolgs-Sendung „Dalli Dalli“, knapp gefolgt von Wim Thoelkes „3 x 9“.

Auch das DDR-Fernsehen erlaubt sich nun etwas Unterhaltung und strahlt 1972 erstmals die Schlager-Show „Ein Kessel Buntes“ aus.

In den Siebziger Jahren entwickelt das westdeutsche Fernsehen auch immer stärker sein Potential zum Kulturfernsehen. Mehrteilige Literaturverfilmungen kommen in Mode. Die erste ist „Bauern, Bonzen, Bomben“, es folgen „Die Blechtrommel“ und 1980 „Berlin Alexanderplatz“. Im selben Jahr kann Dieter Hildebrandt mit dem „Scheibenwischer“ die erste regelmäßige Kabarett-Sendung im Deutschen Fernsehen platzieren.

Ab 1984 – Entstehung der Sendervielfalt

Am 1. Januar 1984 nimmt das deutsche Privatfernsehen seine Arbeit auf. Die Sender RTL und SAT1 entstehen. Lag der Zuschaueranteil bis 1988 noch unter 4 Prozent, erfolgt 1989 ein rasanter Anstieg, den die Privatsender immer weiter ausbauen können. Es entstehen eine ganze Reihe neuer Sendeformate wie z.B. die Soap Opera und andere Serienformen. Lesen Sie dazu auch unseren Artikel „Fernsehen in Serie“ Bereits 1992 wird die erste Casting Show - „Die Gong-Show“ auf RTL gesendet. Ein junger Götz Alsmann moderiert die Auftrittsversuche von Laienkünstlern, und bricht ab, sobald es peinlich wird - mit einem gnadenlosen „Gong“.

Doch nicht nur das Privatfernsehen entwickelt sich seit 1989 rasant. Auch die Öffentlich-Rechtlichen gründen in Kooperation mit anderen Fernsehanstalten weitere Kanäle. So entsteht in Zusammenarbeit mit Österreich und der Schweiz der Sender 3Sat, und in Kooperation mit Frankreich der Kultursender „Arte“. Hinzu kommt auch das Nachrichtenmagazin Phönix.

Ab 2000 – Weltweite Entstehung des Realtiy-TV

Mit der Jahrtausendwende verändert ein neuer Trend das Fernsehen auf der ganzen Welt.

Das Publikum strömt vor die Kameras. Ob in Talk-Studios, bei Casting-Shows oder in der Live-Show: Fernsehkanäle in aller Welt werden zur Präsentationsplattform der Laien.

1999 wird „Big Brother“ zum ersten Mal in den Niederlanden ausgestrahlt. Inzwischen gibt es fast 70 Länder, in denen Mitspieler gecastet und beim Wohnen im Container gezeigt werden. Das Konzept dieser sogenannten Doku-Soap wurde und wird in alle Richtungen weiter entwickelt. Mitspieler werden beim Überleben im Dschungel gefilmt oder beim „Leben wie vor hundert Jahren“.

Auch „Deutschland sucht den Superstar“ (DSDS) ist längst keine deutsche Erfindung mehr, sondern wurde von der britischen Casting Show „Pop Idol“ übernommen, die z.B. in den USA als American Idol und in Frankreich als Nouvelle Star seit Beginn des Jahrtausends läuft. Die deutsche Spezialität ist wohl nur Dieter Bohlen, der sich als DSDS-Juror seinen Ruhm als gemeinster „Beschimpfer“ erworben hat.

In der Reality Talk-Show muss man weder spielen noch singen können. Wissbegierige Moderatoren sind lediglich auf der Suche nach der ganzen Wahrheit im Privatleben der Teilnehmer. Bei SAT 1 sind das derzeit „Britt“ und „Kai Pflaume“.

Reality TV ist derzeit noch eine klare Domäne der Privatsender. Es bleibt abzuwarten, ob die öffentlich rechtlichen Kanäle weiter nachziehen oder eher den eigenen kulturellen Anspruch hochhalten. Eine Umfrage von HÖRZU zumindest hat ergeben, dass das Gros des deutschen Publikums auf den höheren Anspruch hofft.

Was auch immer man über das Reality TV denken mag, für den Erfinder des Fernsehens, Philo T. Farnsworth ist es sicher besser, dass er diese Etappe nicht mehr mit erleben musste.

Quellen: http://de.wikipedia.org und http://www.ard.de